Menuleiste

Samstag, 17. November 2012

Seelenwärmerli


Die Tage werden kürzer, es wird wieder schneller dunkel, die Natur zieht sich in diesen Novembertagen zurück, zurück zur Mutter Erde, um in ihrem Schoss den Winter über zu ruhen.

„Da kommt der Herbst mit Sturm und Wind,
treibt sie zur Mutter heim geschwind.
Geh nun zu Bett, du kleine Schar
und schlaf dich aus bis nächstes Jahr“

So schrieb Sybylle v. Olfers in ihrem Kinderbuch „Etwas von den Wurzelkindern“ 


Nicht nur in der Natur draussen gibt es dunkle Monate mit wenig Licht und weniger Sonne; unabhängig von den Jahreszeiten gibt es auch bei uns Menschen immer wieder Zeiten, wo die Schattenseiten im Leben überwiegen, wo man die Sonne kaum mehr sieht oder glaubt nicht mehr zu sehen. Manchmal trifft der Schatten einem selbst, manchmal sind Bekannten und Verwandte betroffen – so wie bei mir gerade. Menschen aus meinem engeren Umkreis mit Sorgen, Ängsten und Leid konfrontiert zu sehen, geht mir nahe, manchmal sogar sehr nahe. Zum Glück habe ich einen Mann, der mich in solchen Momenten immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt und mir klarmacht, dass ich die Probleme und Sorgen anderer nicht zu meinen eigenen machen darf.

Ich denke hier unterscheiden sich auch die Wörter Mitgefühl und Mitleid. Mitfühlen, bedeutet für mich Anteil nehmen am Leid des anderen, zu spüren und zu fühlen, wie es dem anderen geht, für ihn da sein, ihm zuzuhören. Mitleid jedoch ist noch eine Stufe mehr, man LEIDET regelrecht MIT, je nachdem so fest, dass man Mühe hat sich zu distanzieren vom Leid des anderen und es zu seinem eigenen macht. Und damit ist letztendlich beiden Seiten nicht geholfen.

In eben solchen Momenten, versuche ich dann wieder, mich auf das Schöne, auf die Sonnenseite des Lebens zu konzentrieren. Das müssen nicht grosse Sachen sein, meistens sind es gerade alltägliche und manchmal kaum beachtete Kleinigkeiten im Leben, die Balsam für die Seele sind und das Herz wieder zum Lächeln bringen.

Diese Woche ist mir im Blog von Frau Kreativberg folgendes Zitat in die Augen gesprungen:

"Halte dein Gesicht in die Sonne, dann fallen die Schatten hinter dich."

Dieses Zitat hat mich beeindruckt, so dass es nun zur Erinnerung an meinem Badezimmerspiegel hängt. Und wie es der Zufall so will, ass ich tags darauf eines dieser ganz bunt eingepackten Bonbons (welche ich sonst eigentlich nie esse), in welchen auf der Papierinnenseite ein weiser Spruch oder ein Zitat steht. Und ratet welcher Spruch für mich bestimmt war? Ja genau, der obige Spruch mit dem Gesicht in die Sonne halten!

Nachdem dieses Zitat meine Woche zu bestimmen scheint, halte ich also mal das Gesicht ganz fest in die Sonne und lasse die Schatten hinter mir J

Ich habe diese Woche deshalb ganz bewusst Ausschau nach „Seelenwärmerlis“ gehalten, wie z.B mein Sohn, welcher zusammen mit seinem Papa die ersten Leseversuche unternimmt (obwohl er noch nicht alle Buchstaben kennt). Diese Intensität und Konzentration beim Entziffern der Buchstaben und Wörter von meinem sonst so lebhaften Jungen zu beobachten, erwärmt mein Herz. Sowie auch zu sehen, wie er den Augenblick zusammen mit seinem Vater geniesst.


Dann wiederum anderntags das fröhliche und wilde Spiel draussen. Der Glücksmoment des Grossen mithilfe eines Spatens (an dessen Stil er hochkletterte) einen Baum erklommen zu haben, von welchem ich zuvor nicht dachte, dass er dies schaffen könnte. Die Freude des Buben, dass die Mama und der kleine Bruder ihn dort oben nicht sahen und darum suchten, obwohl er direkt neben dem Haus sich mucksmäuschenstill versteckt auf dem Kirschbaum hielt. Dann das Hochklettern bis zu den obersten dünnen Ästen, um aber sogleich wieder von der Mama (der Spielverderberin) zurückgerufen zu werden. All diese Erlebnisse gehören für mich in die Kategorie „Seelenwärmerli“.

Höhenluft 


Dann die normalerweise unruhige, quengelige Zeit vor dem Nachtessen, welche heute ausnahmsweise mal ganz friedlich verläuft und welche ich deshalb nutze, mich zum Stricken hinzusetzten, um kurz darauf unterbrochen zu werden, da Kind 2 auch „stricken“ möchte. Sobad ich mich wieder hinsetzte, hat sich der Grosse entschieden, dass er nun doch auch zu Nadel und Wolle greifen möchte. Natürlich möchte der Jüngste nun auch den älteren Brüdern nacheifern und erhält darum auch Wolle und Häkelnadel. Da es aber nicht so funktioniert mit dem „Stricken“ wie er sich das vorgestellt hat, endet das Ganze in wütendem Geschimpfe.

 Ich habe längst meine Stricksachen beiseitegelegt, der Kleine hat sich nun wieder beruhigt und kuschelt sich müde auf meinem Arm an mich. Und ich geniesse einfach den Moment die beiden kleinen Strickbübchen zu betrachten. Den mittleren Bub, wie er den Wollfaden um die Stricknadel wickelt, um mir dann, wenn die Nadel dicht mit dem Faden umwickelt ist, stolz sein Werk zu zeigen und sich erkundigt, wann denn jetzt nun der Handschuh, welcher er stricken möchte, fertig sei! Einfach süss, in solchen Momenten könnte ich dahin schmelzen.


Der älteste Junge möchte mir seine ersten Strickanschläge zeigen, welche er in der Schule in der Handarbeitsstunde gelernt hat, möchte wissen, ob ich auch so schnell wie er anschlagen kann…

Solche Augenblicke nähren und geben einem immer wieder die Kraft, um auch schlechtere Zeiten zu bewältigen und ein weing Distanz zu gewinnen.

Eigentlich sind wir täglich so viele Male von vielen berührenden Momenten umgeben, es liegt aber an uns, sie wahrzunehmen!

Kommentare:

  1. Wie recht du hast! Auch ich muss mich immer wieder daran erinnern im Moment, mich nicht so schnell aufzuregen, sondern mich an den Kleinigkeiten zu erfreuen...
    Tolle Fotos übrigens, wirklich herzwärmende Momente! Ganz liebi grüäss, anja

    AntwortenLöschen
  2. Ja, den Augenblick genießen, sich Zeit nehmen, vertrauen, dass nach schlechten Zeiten auch wieder gute kommen...das klingt oft einfacher als gedacht...da muss man ( immer wieder ) an sich arbeiten...mir geht das zumindest so...oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die uns glücklich machen...wie das Kind, das Nähe sucht und genießen kann...Du hast einen schönen Post geschrieben. LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  3. Die Tagen werden kürzer. Das Licht weicht der Dunkelheit. Wir aber rücken enger zusammen. Eine harmonische und innige Zeit.

    Leider gibt es nicht nur Sonnenseiten im Leben, aber genau diese dunklen Seiten mahen uns die Sonnenseiten erst bewusst. Menschen sind wie Blummen, sie brauchen Regen und Sonne um zu gedeihen.

    Das mit dem Spruch ist echt genial. :)

    Liebe Grüße, Christian

    AntwortenLöschen
  4. "Halte dein Gesicht in die Sonne, dann fallen die Schatten hinter dich."
    Wirklich ein wunderschönes Zitat :)

    Tolle Bilder und schöne Worte hast du da gefunden :)

    Lieben Gruß
    Sarah

    AntwortenLöschen